
Dorsten. Sophie Sonntag und Janis Kotulla aus der Theatergruppe „Die Funken“ enthüllten am Samstag vor dem Cornelia Funke Baumhaus die neue Standpunkt-Tafel.
Gekommen waren Vertreter aus Politik, Kultur und Stadtgesellschaft, darunter Bürgermeister Tobias Stockhoff, Ehrenratsmitglied Christel Briefs und Alt-Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, der als Vorsitzender des Baumhaus-Vereins durch die Feierstunde führte.
„Die bislang schönste Standpunkt-Tafel“, schwärmte Dr. Josef Ulfkotte vom Verein für Orts- und Heimatkunde, der das Programm gemeinsam mit dem Baumhaus realisiert hat. Farbenfroh und mit anderem Outfit als ihre Vorgängerinnen sei sie geworden, man sei „wirklich richtig stolz“ auf das Ergebnis.
Ulfkotte erinnerte an die Anfänge: Aus der Idee, die Dichterin Maria Lenzen mit einer eigenen, themengebundenen Tafel zu ehren, ist ein Projekt „von Bürgern für Bürger“ geworden. Auf die erste Tafel am Marktplatz folgten Stationen für die Eisenbahner, den Bergbau-Wanderweg und zuletzt den Jüdischen Friedhof in der Hasselbecke. Mit dem Baumhaus bekommt nun auch ein Ort der Kinder- und Jugendkultur seinen Standpunkt.
Lütkenhorst ließ in seiner Begrüßung durchblicken, wie viel Arbeit hinter der Tafel steckt. Sie sei „im Gegensatz zu normalen Stationen eine sehr aufwendige Konstruktion“, das Fundament reiche 70 Zentimeter tief in den Beton. Den Standort an der Straße wählte man bewusst, weil hier Passanten und Schüler auf dem Weg zum Bus vorbeikommen, auch wenn schnell mit Graffiti zu rechnen sei.
Der Seniorchef der ausführenden Metallbaufirma habe sich persönlich um Größe und Farbe gekümmert und sei beim Aufstellen sogar selbst im Loch gestanden, um zu prüfen, ob alles gerade sitzt. Der Servicebetrieb der Stadt Dorsten lieferte das Fundament und legte am Vortag kurz vor Feierabend noch frischen Rasen. Dank gab es zudem für Martin Köcher, der tief in den städtischen Archiven grub und Fakten und Fotos beisteuerte.
Finanziert wurde die Tafel vom Baumhaus-Verein und aus Spenden, auch Cornelia Funke beteiligte sich. Die Schriftstellerin ließ aus Frankfurt, wo sie auf der Buchmesse weilt, Grüße übermitteln und kündigte an, die Tafel bei nächster Gelegenheit selbst in Augenschein zu nehmen.
Der große Moment
Dann der große Moment: Fanfarenzug und Orchester waren leider nicht in der Nähe, wie Lütkenhorst augenzwinkernd bemerkte, also gab Anke Klapsing-Reich das Kommando und zählte herunter. „Jeder hat das Recht auf einen Höhepunkt am Tag“, hatte Lambert Lütkenhorst zuvor gesagt, und das Publikum applaudierte den beiden Jugendlichen kräftig. Gerade aus den Reihen der Funken sollte die Enthüllung kommen: „Junge Leute sollen unseren Standpunkt öffentlich machen“, so der Vorsitzende, der es als Standpunkt des Baumhauses beschrieb, Verantwortung für junge Menschen in ihrer Kreativität zu übernehmen.
Auf der Tafel erzählt das Baumhaus seine eigene Geschichte, die weit vor Cornelia Funke beginnt. Wer mehr wissen will, scannt den QR-Code auf der Tafel.
Unter den Gästen war auch Lore Stöckle, deren verstorbener Ehemann Herbert die Bücherei am neuen Standort von 1979 bis 2008 leitete, sowie Birgit Huelsken, die heutige Leiterin der Stadtbibliothek. Viele Wegbegleiter des Baumhauses erkannten sich auf den historischen Fotos wieder, und manch einer entdeckte sogar einen jungen Druckerlehrling aus alten Tagen.
Stockhoff zeigte sich begeistert und wies auf die „große Schwester“ hin: Um die Ecke erzählt eine Tafel die Geschichte des Rathauses, „kleine und große Schwester stehen selten so dicht beieinander“. Beinahe wäre an dieser Stelle ein Sitzungstrakt des Rates gebaut worden.
Im Anschluss ging es mit einem Kulturprogramm auf der Baumhaus-Bühne weiter: Schauspieler Rainer Rudloff und Pianistin Natalya Klem brachten „Flammende Lyrik“ von Goethe bis Wedekind zu Gehör. Für das Baumhaus war der Tag zugleich eine Premiere der neu gestalteten Räume, die als „Raum der Begegnung“ künftig ein Zuhause für Kinder, Jugendliche und Kultur sein sollen. turo
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